Statement des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) zur Geflügelpestsituation im Herbst 2025

Im Herbst 2025 zeigt sich in Deutschland erneut eine angespannte Geflügelpestsituation. Das Virus der hochpathogenen aviären Influenza (HPAIV) vom Subtyp H5N1 wurde großflächig mit dem Herbstzug von Wildvögeln, insbesondere Enten und Gänsen, eingetragen. Auffällig ist, dass trotz der weiten Verbreitung bislang keine großen Zahlen verendeter Wildenten oder Wildgänse festgestellt wurden.

Seit September treten jedoch wieder erste Ausbrüche in Geflügelhaltungen auf, mit einem deutlichen Anstieg der Fälle bei Puten, Hühnern, Enten und Gänsen parallel zum zunehmenden Vogelzug. Die Zahl der tot aufgefundenen Wildvögel spiegelt dabei nicht die tatsächliche Viruslast in der Wildvogelpopulation wider, da viele Wasservögel das Virus ausscheiden, ohne schwer zu erkranken. Dieser Umstand führt immer wieder zu verständlichen Fehleinschätzungen hinsichtlich der Ursachen der Ausbrüche. Die Gefahr der Austräge von HPAIV aus Geflügelhaltungen wird durch umfangreiche überwachte Hygienemaßnahmen bei der Tötung von Betrieben minimiert, kann aber auch für Deutschland insbesondere bei Freilandhaltungen, nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die vorliegenden Kenntnisse liefern keine Hinweise, dass Austräge einen maßgeblichen Einfluss auf das Gesamtgeschehen im Wildvogelbereich haben, das hierzulande in erster Linie durch die bereits vorhandene und saisonal unterschiedliche Viruslast in den Wildvogelpopulationen bestimmt wird.

Die bisherigen HPAI-Ausbrüche bei Geflügel betreffen Einzelbetriebe, ohne Hinweise auf Infektionsketten zwischen Geflügelhaltungen. Bisherige genetische Analysen weisen eine hohe genetische Verwandtschaft zwischen Virusstämmen in Wildvögeln und Geflügel nach, mit einer höheren genetischen Diversität in Wildvogelpopulationen – ein Hinweis auf eine eigenständige Viruszirkulation in Wildvögeln mit sporadischer Einschleppungen in Geflügelbestände. Ausbrüche in Geflügelbeständen, die auf sekundäre Verschleppungen zwischen Betrieben deuten würden, sind bisher in Deutschland Ausnahmen.

Besonders auffällig ist das aktuelle Kranichgeschehen, das in dieser Form in Deutschland erstmals beobachtet wird. Vermutlich haben sich Kraniche an Rastplätzen bei infizierten Wildenten oder -gänsen angesteckt und das Virus anschließend innerhalb ihrer Gruppen sowie in andere Regionen weitergetragen. Kraniche sind sehr empfänglich für HPAIV H5N1, verfügen aber mangels früherer Exposition über keine Herdenimmunität, was zu hohen Sterblichkeitsraten führt. Sie sind – ebenso wie betroffene Geflügelbetriebe – 
ein Anzeiger für eine hohe Viruslast in den ziehenden Wasservogelpopulationen.

 

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